Kurz gesagt: Die großen KI-Anbieter fordern eine Pause und bauen trotzdem weiter, weil in diesem Wettrennen keiner zuerst bremsen kann. Für einen kleinen oder mittleren Betrieb heißt das: Auf ruhigere Zeiten zu warten, lohnt sich nicht. Mit den Modellen, die es heute gibt, lässt sich Handarbeit wie Anfragen, Belege und Nachfassen schon jetzt abgeben, solange ein Mensch freigibt.
Ich habe in den letzten Wochen eine Beobachtung nicht mehr losbekommen.
Bei der Entwicklung von KI stecken wir in einem kalten Krieg. In einem doppelten sogar:
- zwischen den Unternehmen im Westen, die sich gegenseitig mit neuen Modellen überbieten,
- zwischen den USA und China.
In beiden gilt dieselbe Logik: Wer bremst, verliert.
Warum macht niemand die KI-Pause, die alle fordern?
Das Merkwürdige daran: Fast alle, die vorne laufen, sagen öffentlich, es gehe zu schnell.
- Die Forderung: Mitte September 2026 hat der Chef von Anthropic, Dario Amodei, eine koordinierte Pause bei den leistungsfähigsten Modellen gefordert. Sam Altman von OpenAI und Elon Musk haben sich angeschlossen. So berichtet es Basic Thinking am 15. September 2026.
- Die Antwort aus Washington steht im selben Bericht: Die US-Regierung stellt sich gegen eine Regulierung und will das Rennen gegen China gewinnen.
Ich glaube den Chefs, dass sie es ernst meinen. Ich glaube ihnen aber auch, dass sie nicht anhalten werden.
Wer zuerst anhält, verliert an den, der weiterläuft:
- Wirtschaftlichkeit
- Kapital
- Talente
Und wer im Rennen nicht mehr dabei ist, hat auf das Ergebnis keinen Einfluss mehr.
Das ist die Falle. Eine Pause aus Vernunft ist für jeden einzelnen Spieler unvernünftig. Deshalb passiert sie nicht, egal wie oft sie gefordert wird.
Wer bremst die KI-Entwicklung, wenn die Anbieter es nicht tun?
Wenn die, die bauen, nicht bremsen können, bleibt nur eine Stelle übrig, die schneller werden muss: die Aufsicht. Regulierung und Monitoring müssen mit dem Tempo mithalten, mit dem die Modelle kommen.
Gemeint ist ein Beobachter mit Zugriff, der hinschaut, während gebaut wird, und eingreift, wenn es nötig ist.
- Aus Sicht der Menschheit wäre das wichtig.
- Aus Sicht derer, die gerade vorne liegen, ist es lästig.
Beides stimmt.
Die EU hat dafür mit dem AI Act einen Rahmen gesetzt. Man kann über einzelne Pflichten streiten, und ich tue das auch.
Den Grundgedanken finde ich richtig: Es gibt eine Stelle, die hinschaut, und sie richtet sich nach einem Kalender, den die Branche kennt.
Ob das reicht, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Warten auf die Vernunft der Anbieter keine Strategie ist.
Was bedeutet das KI-Rennen für einen kleinen Betrieb?
Und jetzt der Teil, der dich als Inhaber eines Betriebs betrifft.
In den Gesprächen, die ich mit Inhabern führe, kommt dieses Rennen kaum vor. Dort geht es um:
- die Anfrage, die drei Tage im Postfach liegt,
- Belege, die jemand abtippt,
- die Stelle im Innendienst, die seit Monaten niemand besetzt.
Das Rennen der Anbieter hat mit diesen Problemen wenig zu tun.
Trotzdem hat es eine Nebenwirkung: Es erzeugt Warten. Die naheliegende Reaktion ist, es sich erst dann anzuschauen,
- wenn es sich beruhigt hat,
- wenn klar ist, welches Modell gewinnt,
- wenn die Regeln stehen.
Dieser Moment kommt nicht. Die Entwicklung wird schneller, und die Regeln werden nachgezogen, während gebaut wird. Wer auf Ruhe wartet, wartet auf etwas, das in diesem Rennen nicht vorgesehen ist.
Mit dem, was heute schon da ist, lässt sich in einem Betrieb mehr erledigen, als die meisten in zwei Jahren umsetzen werden. Ob das nächste Modell im Oktober kommt oder im Frühjahr, ist für die Belegerfassung egal. Für die Anfrage aus dem Postfach auch.
Das Potenzial, das heute verfügbar ist, reicht für die Handarbeit, die in den Büros liegt, und zwar mehrfach.
Wie fängt ein Betrieb jetzt mit KI an, ohne auf das nächste Modell zu warten?
1. Hör auf, auf das nächste Modell zu warten
Nimm einen Ablauf, der heute von Hand läuft, und lass ihn bauen:
- Anfragen
- Belege
- Nachfassen
Etwas, das eine Person im Betrieb jeden Tag macht und das sich in Stunden pro Monat messen lässt.
Wenn das nächste Modell kommt, wird der Ablauf besser. Überflüssig wird er dadurch nicht.
2. Bau die Aufsicht in deinen Betrieb ein
Was ich mir von Regulatoren wünsche, gilt im Kleinen auch für dich. Das System bereitet vor, ein Mensch gibt frei.
- Schattenmodus zuerst. Jeder Ablauf, den wir bauen, läuft zuerst im Schattenmodus. Er produziert Vorschläge, ohne dass etwas passiert, und der Betrieb vergleicht sie mit dem, was die Kollegin tatsächlich gemacht hat.
- Scharf erst nach Erklärung. Erst wenn die Abweichungen erklärt sind, geht er scharf. Und auch dann bleibt der letzte Klick im Betrieb.
- Eine Betriebsakte. Irgendwo steht aufgeschrieben, was im Betrieb gilt: wer freigibt, was das System nie allein tut, welche Regeln es prüft. Wir nennen das die Betriebsakte. Ohne sie antwortet kein Ablauf im Ton des Hauses, und ohne sie weiß niemand, wer verantwortlich ist, wenn etwas schiefgeht.
3. Kauf nichts, was du nicht abschalten kannst
Alles, was wir bauen, gehört dem Kunden:
- mit Doku,
- mit Zugängen,
- mit einem Exit-Dokument, mit dem er ohne uns weitermachen kann.
Das ist die Bedingung dafür, dass ein Betrieb in einem Markt, der sich alle paar Monate dreht, handlungsfähig bleibt.
Wer sich an einen Anbieter kettet, hat das Rennen der Anbieter in den eigenen Betrieb geholt.
Muss ich als Inhaber auf das KI-Rennen reagieren?
Wenig, wenn du es zulässt.
Die Debatte über Bremsen oder Gas geben wird in Washington, Brüssel und im Silicon Valley geführt. In der Werkstatt in Niederösterreich wird sie nicht geführt.
Dort liegt Arbeit, die heute erledigt werden kann, mit Werkzeugen, die heute da sind, unter Regeln, die du selbst schreibst.
Wer den kalten Krieg gewinnt, weiß ich nicht. Wer in deinem Betrieb die Freigabe drückt, solltest du wissen.
Häufige Fragen
Lohnt es sich, mit KI im Betrieb zu warten, bis die Regeln klar sind?
Warten bringt wenig. Die KI-Verordnung der EU ist bereits in Kraft, und die Regeln werden laufend nachgezogen, während die Modelle besser werden. Wer heute einen Ablauf mit menschlicher Freigabe baut, kann ihn später an neue Pflichten anpassen. Was die Verordnung für kleine Betriebe heißt, steht in unserem Leitfaden zur KI-Verordnung.
Was ist ein Schattenmodus bei einem KI-Ablauf?
Im Schattenmodus läuft ein neuer Ablauf mit, ohne dass etwas nach außen geht. Er macht Vorschläge, und der Betrieb vergleicht sie mit dem, was die Kolleginnen und Kollegen tatsächlich getan haben. Erst wenn die Abweichungen erklärt sind, geht der Ablauf scharf.
Wer steht gerade, wenn ein KI-Ablauf einen Fehler macht?
Der Betrieb, der den Ablauf einsetzt, so wie er für jede Mitarbeiterin geradesteht, die ein Angebot verschickt. Deshalb gibt bei uns ein Mensch jeden Vorgang frei, bevor etwas nach außen geht, und in der Betriebsakte steht, wer freigibt und was das System nie allein tut.